re:publica 2013: Ein (persönliches) Resümee

Vorweg: Es war die bisher beste re:publica überhaupt und mein größter Respekt gebührt allen, die das möglich gemacht haben. Für mich gibt es nur ein Fazit: Alles, aber auch wirklich alles haben die Veranstalter und Organisatoren richtig gemacht.

Nach dem eher leichten und unterhaltsamen Panel des letzten Jahres “Tweeting from Space for the Digital public” konnte ich gemeinsam mit Geraldine und Sandra in diesem Jahr die Space-Sessions des Open Science Tracks kuratieren. Es wurde zwar nicht der große Wurf, den wir uns vorgenommen hatten – von geplanten neun blieben nur vier (oder, genauer gesagt, drei) Sessions übrig – doch die hätten besser nicht sein können. Beginnen wir mit einem meiner Highlights des Science Tracks:

Carolinas Blog und ihre Arbeit verfolge ich schon eine Weile mit großem Interesse – und habe mich sehr darüber gefreut, dass wir sie einladen konnten und sie, trotz der Tatsache, dass sie vor nicht allzu langer Zeit Mutter wurde, die lange Reise aus Südafrika gemeinsam mit ihrer Familie auf sich genommen hat. Großer Dank gebührt re:publica und Geraldine de Bastion, die die Einladung ermöglicht hat.

In Ergänzung zu ihrem Vortrag hier noch drei Medienbeiträge, die Ihr Euch auf jeden Fall ansehen bzw. anhören solltet:

3sat nano

Und als Netzmusiker gefiel mir der Astro-Sound-Hack Chromotone natürlich sehr gut:

Weiter ging es mit den Part Time Scientists: Diese beiden jungen Herren – Karsten Becker und Robert Böhme – und ihr fast 100-köpfiges, über den Erdball verteiltes Team, sind mit dem Mondrover Asimov einer der Favoriten im Wettbewerb um den Google Lunar XPrize. Ziel: Bis 2015 einen Rover auf dem Mond landen, dort mindestens 500 Meter fahren, High-Definition-Video und Bilder zur Erde senden. Das von Google ausgelobte Preisgeld beträgt im Maximalfall 30 Millionen US-Dollar. Wenn man nun bedenkt, dass der geplante Start mit einer russischen Trägerrakete vom Typ Dnepr eine ähnlich hohe Summe kosten wird, hat man in etwa einen Eindruck davon, dass die Part Time Scientists hier nicht nur enorme technische, sondern auch administrative Herausforderungen meistern müssen. Wenn Robert, Karsten und Team allerdings mit demselben Enthusiasmus zur Sache gehen wie bei Ihrem Talk auf der re:publica, bin ich mir sicher, dass sie es schaffen werden.

Unterstützt werden die Part Time Scientists vom DLR, genauer gesagt vom DLR-Institut für Robotik, das neben der Antriebstechnologie auch die intelligente, autonome Navigation auf Basis von Umgebungswahrnehmung beisteuert.

Letztlich dann noch mein eigener kleiner Beitrag namens “Space Science as a Creative Commons?“, der im Workshop-Bereich stattfand und daher nicht aufgezeichnet wurde. Die Folien gibt es hier:

Space science as a creative commons? from Marco Trovatello

Entgegen der Ankündigung habe ich für den Vortrag noch einiges zum Thema Open Access zusammenrecherchiert: Nach einem Blick auf den “großen Bruder” NASA und dessen Status quo in puncto Copyright law bzw. Non-Copyright und Public Domain habe ich mir den aktuellen Stand der Dinge in Europa angesehen – und bin zu Ergebnis gekommen, dass die European Space Agency bereits erfreulich frei und offen mit Daten ihrer Erdbeobachtungs-, Planetenforschungs- und Astronomiemissionen umgeht, in Bezug auf ihre eigenen (PR-)Medien allerdings in puncto freier Lizensierung noch nicht zum unter Creative Commons lizensierenden DLR aufgeschlossen hat.

Discussion following

Discussion following “Space as a creative commons?” talk. Image credit: republica, CC-BY.

In der anschließenden, kleinen Diskussionsrunde mit John Weitzmann (Creative Commons Deutschland, iRights.info), Paul Klimpel (iRights.info), Mathias Schindler (Wikimedia Deutschland), Kirsten Rulf (Autorin und Redakteurin, WDR/ARD Aktuell) und einigen anderen wurde zwar durchaus kontrovers, aber – zumindest meiner Meinung nach – auch sehr erkenntnisbringend debattiert. Ich habe hierzu einen separaten Artikel geschrieben.

Hojun Song’s Talk zur Open Source Satellite Initiative fiel leider aus, er schaffte es offenbar nicht rechtzeitig, dafür aber gab es ein Video-Interview mit Ai WeiWei.

Und sonst?

John Weitzmann lud zur Diskussion “Space Night Mission Control … GEMA, we have a problem. Fluch und Segen freier Inhalte in kommerziellen Märkten”: Das Team “Contra” in diesem von John moderierten Streit stellten Ellen Vorac , Label-, Musik- und Digitalvertriebsexpertin, und Volker Tripp, Jurist, Netlabel-Betreiber (ideology) und freier Journalist (Breitband), das Team “Pro”  stellten Luci van Org, Musikerin und Autorin, und ich in meiner Rolle als unter CC veröffentlichender Musiker und Netlabel-Mitbetreiber. Das Besondere an der Diskussion war das streng festgelegte Format, das einen etwaigen verbalen Schlagabtausch gar nicht erst zuließ, sondern durch per Stoppuhr gesteuerte Länge der Redebeiträge pointierte Thesen und Argumente hervorbrachte.

Space Night-Diskussion auf der rp13

Space Night-Diskussion auf der rp13: Links Team Pro (Luci van Org, Marco Trovatello), rechts Team Contra (Ellen Vorac, Volker Tripp). Bild: Andrea Schaub.

Das sah in etwa so aus:

Zunächst die These des Teams Pro (Luci,  Marco):

“Angesichts des Verschwimmens der Rollen im Musikgeschäft (keine klare Trennung mehr zw. Musiker, Texter, Produzent, Vermarkter etc.) sollten freie Inhalte ein Mittel sein, das allen Künstlern selbstverständlich zur Verfügung steht und nicht von überkommenen Verwertungsstrukturen ausgebremst wird.”

Es folgten jeweils vier Minuten Argumente von Team Pro und Team Contra, dann die These des Teams Contra:

“Freie Inhalte drücken Preise im Lizenz-Bundle-Geschäft und dienen für sehr bekannte Künstler dazu, sich auf Kosten anderer Aufmerksamkeit zu verschaffen”

Space Night-Diskussion, re:publica 2013

Space Night-Diskussion, re:publica 2013. Bild: Tobias Schwarz.

Dann wieder jeweils vier Minuten Argumente von Team Pro und Team Contra, spontane These des Moderators John Weitzmann, acht Minuten Schlussdiskussion, Ende. Das ganze ging zack-zack, kam ohne Polemik aus und war – so hoffe ich – für alle Beteiligten und Zuhörerinnen genauso erfrischend wie für mich. Leider auch hier keine Aufzeichnung, da es sich nur um eine kleine Session im Workshop-Bereich handelte.

Rezeptions-Overflow: Noch mehr Kultur, Science, Technologie, Politik …. meine weiteren persönlichen Glanzlichter (in keiner bestimmten Reihenfolge) waren …

… der Talk zum “Making of” des animierten Kurzfilms R’ha:

… Cory Doctorows Talk zu Digital Rights Management (DRM) und Computer in unseren Körpern:

… Mathias Schindler und der “Urheberrecht-Yeti”:

… Peter Kirn zu Mensch-Musik-Maschine Interfaces aus historischer wie heutiger Sicht:

… sowie etwa 50 verpasste Sessions, die ich ebenso interessant fand.

Und sonst noch?

Abends Netlabel-Opa-Stammtisch, yeah!

Tonmagnet-Podcast zur Space Night

Vor genau drei Wochen haben Tobias Schwarz und ich uns an einem Freitagabend mit Daniel und Jens vom Tonmagnet-Podcast unterhalten – zum Thema Space Night. Doch hört selbst:

Diesmal kein Um-Kopf-und-Kragen-Reden wie bei der Folge zu Netaudio und dem kleinen grünen Würfel, sondern eher sachliches, nun ja, Sinnieren zu den Themen Öffentilch-rechtlicher Rundfunk, Urheberrecht, Verwertungsgesellschaften, und “Mutige Space Night-Redakteure”.

Nicht zuletzt ging und geht es auch um die Welle der Begeisterung im Netz zur “Rettung der Space Night”, bei der eine Facebook-Gruppe und ein Wiki eine zentrale Rolle spielten, sowie um eine kontroverse Diskussion. die John Weitzmann zurecht anstieß, um auch auf die Schattenseiten des Themas hinzuweisen.

Die von John dargestellte Problematik ist auch Thema eines Panels auf der re:publica 2013, doch dazu mehr ein einem späteren Blogeintrag.

Christian Grasse, der sich in Sachen Space Night ebenfalls sehr engagiert hat, konnte leider nicht teilnehmen – er war zum Zeitpunkt der Aufnahme in Urlaub.

Update:

1. Am Anfang des Podcasts sage ich: “Ich betreibe ein Netlabel …”. Das ist falsch. Richtig (und weniger egozentrisch) ist: “Gemeinsam mit Stoffel betreibe ich ein Netlabel …”.

2. Total vergessen: Herzlichen Dank an Daniel und Jens fürs Einladen und auch ganz generell für Ihren schönen Podcast (den ich auch hier schon mal gewürdigt habe).

Space Night: Es geht weiter …

Der Bayerische Rundfunk hat mir freundlicherweise gestattet, die Sendedaten der neu vertonten Space Night-Folgen zu kommunizieren. Momentan laufen ja in buntem Mix alte Earthviews-Folgen, teils neuvertont mit klassischer Musik des BR-Symphonieorchesters, teils die bereits bekannte Folge mit CC-Musik.

Wenn ich jetzt also richtig liege bin, sollte die erste von drei neuen, mit Creative Commons und weiterer, GEMA-freier Musik vertonte Folge am – Tusch! – 2. Juni 2013 laufen, Wiederholung dann am 7. Juni 2013, jeweils eine weitere neue “GEMA-freie” Folge dann am 15. und 16. Juni 2013. Natürlich kann es immer die ein oder andere Programmänderung geben.

Space Night. Quelle/Copyright: Bayerischer Rundfunk / ARD.

Space Night. Quelle/Copyright: Bayerischer Rundfunk / ARD.

P.S.: Space Night Website sowie Playlists wurden noch nicht entsprechend aktualisiert.

Roland Graffé: Das komplette Interview (Stadtrevue Netzmusik #7 Spezial)

Machtdose-Macher Roland Graffé. Bild: Privat.

Machtdose-Macher Roland Graffé. Bild: Privat.

Für die aktuelle Episode der monatlichen Kolumne ‘Netzmusik‘ der Stadtrevue habe ich ein längeres Interview mit Roland geführt. Wie üblich poste ich hier das komplette Interview.

Roland, Deinen Podcast Machtdose gibt es bereits seit über sieben Jahren – er dürfte damit einer der am längsten existierenden Netaudio-Podcasts aus Deutschland sein. Irgendwelche Ermüdungserscheinungen? Oder können wir darauf hoffen, dass es Machtdose noch lange gibt?

Ermüdungserscheinungen gibts durchaus manchmal, aber eher selten. Dann mach ich halt mal nen Monat Pause wie gerade diesen Januar, ich hab einmal auch schon oder vier Monate pausiert, aber das sind wirklich totale Ausnahmen. In der Regel hab ich Spaß dran und ich denke mal, es wird noch eine Weile so weitergehen.

Hat sich Dein Konzept, den Podcast von Beginn an nur auf Englisch anzubieten, bestätigt? Konntest Du Dir damit die – wahrscheinlich gewünschte – breite, internationale Hörerschaft erschließen?

Ich habe ja gar nicht auf Englisch angefangen, sondern im ersten Jahr auf Deutsch moderiert. Das schien mir aber nicht mehr adäquat, da eben die Netaudiowelt international ist wie das ganze Internet und das gerade eine der Dinge ist, die mich auch daran besonders interessieren. Also habe ich auf Englisch – trotz sagen wir mal eher limitierender Ausdrucksweisen – umgestellt. Ich “tracke” meine Zuhörer:innenzahlen nicht sonderlich, so dass ich dazu kaum qualifizierte Aussagen machen kann, die kümmerlichen Soundcloud-Statistiken (die nur die Streams, nicht aber Downloads zählen) geben aber an, dass das Gros immer noch aus Deutschland ist und knapp die Hälfte der Zuhörenden ausmacht.

Vor gut zweieinhalb Jahren hat Christian Grasse Dich für DRadio Wissen interviewt – mich interessiert, inwiefern sich die Dinge für Dich verändert haben oder auch nicht. Die durch die Lofi-Produktion Deines Podcasts geprägte Authentizität ist in jedem Fall geblieben. WIe aber sieht es aus in Bezug …

….auf das Verbesserungspotenzial von Netlabels in puncto Benutzerfreundlichkeit – hat sich da etwas getan?

Seitdem hat sich meiner Meinung nach schon einiges geändert. Mir scheint, das Konzept “Netlabel” ist weniger attraktiv für Künstler geworden, auch wenn Sie durchaus frei verfügbare Musik übers Netz bereitstellen wollen. Das machen sie dann aber häufig einfach selbst, z. B. über Plattformen wie Bandcamp, Soundcloud oder Jamendo.

Der Trend geht also für mich deutlich zum Selbstkämpfertum, das finde ich persönlich ein bisschen schade, da ich mit “Label” nicht nur bestimmte Distributionsmöglichkeiten, sondern eben auch gemeinsame Haltung, ästhetisches Programm usw verbinde. Ist aber vielleicht schlicht der Gang der Dinge, wenn Selbstpromotion für Künstler generell immer wichtiger wird.

Die bestehenden und neu entstehenden Labels (gibts ja natürlich immer noch zuhauf) schwenken übrigens auch auf die genannten Plattformen über, weil sie wahrscheinlich eine günstige Infrastruktur für Hosting / Abrechnungsmöglichkeiten usw. zu bieten scheinen. Hier hat man dann teilweise hübsche Diskrepanzen z. B. bei Lizenzierungsangaben, einfach weil nicht genau hingesehen wird (Auf Labelseite wird CC-Lizenz angebeben, auf Bandcamp dann aber copyright by owner o. ä. – was sich ja nicht mal widersprechen muss, aber eben doch Verwirrung stiftet. Wenn ich schon Angaben zu den Benutzungsmöglichkeiten mache, sollten diese möglichst konsistent angeboten werden.)

Flash ist ja hoffentlich bald mal verschwunden.

Eher nicht so schöne Tendenz: es wird immer beliebter, keine Einzeltitel anzubieten zum Download, sondern nur ganze Alben. Für mich persönlich nicht so gut – und ich kann auch nicht so ganz nachvollziehen, was das für einen Vorteil für die Labels haben soll, wenn ich mir nur Komplettreleases runterladen kann.

Es gibt also noch genug zu meckern :)

… Deine skeptische Haltung zu Netlabels, die die DIY-Kultur aufgeben, sich in Richtung traditionelles Label ‘weiterentwickeln’ und Geld verdienen wollen?

Ich stehe der Tendenz gar nicht so skeptisch gegenüber, glaube nur, dass der Komplettswitch sehr schwierig ist. Die Tendenz hat meiner Wahrnehmung nach auch wieder nachgelassen. Allenfalls wird nach ergänzenden Verdienstmöglichkeiten gesucht.

Interessanterweise gibt es eine vielleicht gegenläufige Tendenz. Auch die CC-Lizenzierung scheint mir nachzulassen. Mittlerweile werden häufiger “einfach so” Freie Downloads von den Musiker:innen als auch Netlabels selbst angeboten, ohne dass man sich der CC-Lizenzen bediente. Die Gründe sind hier wahrscheinllich vielfältig. Ein möglicher Grund könnnte sein, dass das Verbreiten im Vordergrund steht, mögliche rechtliche Implikationen aber erst einmal nachrangig sind. Ist aber nur ne Vermutung.

Ist die Professionalisierung, von der im o.g. DRadio Wissen-Beitrag die Rede ist, auch bei den Netlabels, die weiterhin existieren und nicht kommerziell arbeiten bzw. Freie Musik anbieten, eingetreten? Wenn ja: Könntest Du ein paar Beispiele nennen?

Es gibt und gab einfach sehr gut arbeitende Labels und die “funktionieren” auch prima.  Aus den letzten Jahren sicher als wichtiges zu nennen ist Bad Panda Records, die einfach sehr spannende, abwechslungsreiche Musik unter dem Motto “One Song every Monday” präsentieren, ihre Künstler in interessanter Weise vorstellen und unterstützen und auch eine große Hörer:innenschaft haben mittlerweile – da kann man sich wirklich auf jeden Wochenanfang freuen: http://badpandarecords.wordpress.com/

Ich freue mich (obwohl die Musik da nicht mal so übermäßig was für mich persönlich ist), wenn sich  bei einem Label wie subbass http://subbass.blogsport.de/ wie mir scheint wirklich eine Genre-Szene zusammenfindet und eben ihr Dubstep-Dings macht, da kann man dann schon einen ganz guten Einblick in die musikalischen Entwicklungen bekommen.

Auf Künstlerseite ist durch Crowdfunding auch vereinzelt schon recht Bemerkenswertes entstanden (zuletzt etwa bin ich auf Toussaint Morrison gestoßen, der seine letzten 3 Alben über Vorfinanzierung per Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat verwirklichen können, http://toussaintmorrison.bandcamp.com/ + http://www.kickstarter.com/projects/toussaintmorrison/toussaint-morrison-mixtape-30

Gibt es aus Deiner Sicht immer noch zu wenig Blogs, Podcasts, Online-Magazine, die die Netlabelszene analysieren, sortieren und Gutes von Schlechtem trennen? Tatsächlich sind viele der – zufällig von mir beim Recherchieren gefundenen – Websites auf http://machtdose.de/netlabels tot …

Ja, diese Seite, die will ich schon seit zwei Jahren überarbeiten, weil sie schon seitdem hoffnungslos veraltet ist.

Es gibt mittlerweile schon einiges mehr, nicht unbedingt Netlabels, aber schon beim Drumherum. Seiten wie netlabelism http://netlabelism.com/ , die im Magazinformat Veröffentlichungen vorstellen. Podcasts / Blogs wie http://www.tonmagnet.de/ , die über Interviews und Hintergrundberichte sozusagen aus der Szene berichten. International etwa der wie ich finde sehr interessante Podcast Music Manumit http://www.musicmanumit.com/ , der ähnliches macht und entsprechend Projekte und Leute vorstellt, die mit Netaudio auch im weiteren Sinne zu tun haben.

Manchmal habe ich den Eindruck, das Machtdose Blog und Podcast heutzutage ein wenig nebeneinander her existieren – stimmt das?

Das war eigentlich ehrlich gesagt nie wirklch anders. Denn das Blog wird hauptsächlich mit Artikeln befüllt durch Gregor, während ich außerdem Podcast so gut wie nichts inhaltlich mache. Gregor hat dann vor ca. ein bis zwei Jahren auch damit angefangen, das meiste in Englisch zu präsentieren, aber natürlich ist es schon so, dass es bei ihm eher um Kunst und Musik im Allgemeinen geht, also kein Schwerpunkt auf frei verfügbare Musik  o. ä. hat – nicht, dass er daran kein Interesse hat, aber es ist eben nicht sein wirkliches Thema.

Bei mir ist es so, dass ich es zeitmäßig gerade so einigermaßen hinbekomme, den Podcast zu machen, der inklusive Recherche und Produktion dann so ca. 20 Stunden im Monat in Anspruch nimmt. Mehr ist für die Machtdose dann realistischerweise nicht drin.

Wie würdest Du – in wenigen Sätzen – den Status Quo von Netaudio beschreiben?

Es gibt immer noch sehr viel Netaudio und auch vieles zu entdecken. In gewisser Weise ist durch Tendenzen wie zuvor beschrieben der Weg zur Fragmentisierung noch weiter gegangen, was mir aber auch ein entsprchende Begleiterscheinung der “Demokratisierung” von Musik zu sein scheint. Auch scheinen sich die Frage der freien Distribution etwas “egaler” zu werden, so nach der Art: kriegt man ja doch alles irgendwie umsonst (zumindest zum Anhörn, siehe entsprechende Streamingdienste usw.) das merkt man daran, dass es z. B. auch Youtube-Channels und vereinzelte Blogs gibt, die sowohl klassisch-kommerzielle wie auch Netaudio-Musik vorzustellen.

Die schiere Anzahl von (auch guter) Musik ist immer noch gewaltig, aber es gibt wahrscheinlich tendenziell weniger “Konzentrationen”, dafür vielleicht immer mehr ausdifferenzierte Subszenen.

Wie es eine schöne Abwandlung des durchgenudelsten Warholzitats ever beschreibt, die ich irgendwo mal las: “In the future everyone will be famous for 15 people”.

Vielen Dank für das Interview!

Vortrag/Präsentation Creative Commons in der Wissenschaftskommunikation …

… gehalten am Mittwoch, 5. Dezember 2012, im Rahmen des Forums Wissenschaftskommunikation in Dresden. Hier geht’s zur Dokumentation (Dank an Janina Treude).

Netzmusik: Small Colin – Tape Productions (rec72)

(Die Originalversion dieses Artikels ist im Stadtrevue-Blog in der Rubrik ‘Netzmusik’ erschienen)

Small Colin aka Colin Sweeney

Small Colin aka Colin Sweeney

Über das Kölner Netlabel rec72 berichteten wir ja bereits zum Auftakt der Netzmusik-Kolumne im vergangenen September und anläßlich des fünften Label-Geburtrstags. Vergangene Woche kommt Marco Medkours Label erneut mit einem wunderschönen Release um die Ecke, das ich Euch hier – schnell und außer der Reihe – nicht vorenthalten will: ‘Tape Productions’ von Colin Sweeney aka Small Colin ist eines der schönsten Alben dieses noch jungen Netaudio-Frühlings. Bereits der Opener ‘Red Wine’ hat nicht nur großes Ohrwurm-Potenzial – es ist sogar ein richtiger Hit:

Das Free Music Archive, das wir neben vielen anderen empfehlenswerten Podcasts, Blogs und Netzines in der nächsten (Print-)Episode der Stadtrevue-Netzmusik vorstellen werden, kategorisiert Colins Musik unter Electronica, Ambient, Downtempo – doch das wäre hier viel zu kurz gegriffen. Immer wieder mischt sich die E-Gitarre ins Geschehen ein und verleiht seiner Musik, zusammen mit eingängigen Akkordfolgen und seinem gelegentlich zum Einsatz kommenden, schüchtern-zurückhaltenden Gesang echte Popelemente, die dann sogleich wieder konterkariert werden.

Analoges Taperauschen als künstlerisches Stilmittel

HInzu kommt die wunderbare Produktion. Tape Productions – der Name ist Programm. “Boah rauscht das” hätte man im prä-digitalen Zeitalter gesagt. Heute empfinde ich das analoge, deutlich wahrnehmbare Rauschen unter den Tracks einfach nur schön. Colin dazu: “Ich arbeite normalerweise ausschließlich mit Ableton Live, doch dieses Mal habe ich mich dazu entschieden, zusätzlich auch noch mit Bandaufnahmen zu arbeiten, so wie früher, als ich noch mit einem Tascam-4-Spur-Rekorder gearbeitet habe. Ich habe die Sachen also immer noch mit dem Computer aufgenommen, dann aber die einzelnen Instrumentenspuren auf Band aufgenommen, um sie dann wieder zurück in den Computer aufzunehmen. Dann habe ich das Ganze wieder auf ein Stereo-C90-Tape gemastert – und es wieder zurück in den Computer gespielt, um die mp3s zu erzeugen” und fügt hinzu: “Ich liebe Bandrauschen.” Tatsächlich hört man den Tracks diese Liebe zum Produktionsdetail an, denn das Rauschen wirkt nicht ‘beigemischt’, sondern genau so authentisch, wie es aufgenommen wurde.

Small Colin - Tape Productions

Small Colin - Tape Productions

Und ja, so ähnlich wie ‘Tape Productions’ funktioniert vielleicht auch die Musik von Dntel. Doch Colin hat über nun – zählt man seine Zusammenarbeit mit Scott Buchanan aka Radio Scotvoid als Small Radio dazu – insgesamt sechs Veröffentlichungen hinweg seinen eigenen Stil entwickelt. Der ist insbesondere auf diesem Album geprägt von den heute so typischen Umständen, eben nicht mehr nur Musiker zu sein – sondern auch Arbeitnehmer, Vater, jemand, der irgendwie Familienleben, Alltag und Musikmachen auf die Reihe bekommt. Gewissermaßen ist sogar Schweden, das Land in dem Colin mit seiner Familie lebt, an der Entstehung von ‘Tape Productions’ beteiligt: Das Album nahm er während seiner Elternzeit, die im familienfreundlichen Schweden besonders großzügig ausfällt, auf. All das hört man seiner Musik an, im positivsten Sinn.

Download: Small Colin – Tape Productions (rec72, CC-BY-SA)

P.S.: Ich habe total vergessen zu erwähnen, dass das Album bzw. der Download von einer Serie digitaler Postkarten begleitet wird, die neben schönen Fotografien auch die kurzen Songtexte zeigen (siehe rechts).

Alles zum Urheberrecht – in fünf Minuten

Die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung hat ein sowohl künstlerisch-ästhetisch wie auch inhaltlich sehr gelungenes Video zum Urheberrecht veröffentlicht: Alles übers Urheberrecht und die aktuelle Debatte in 5 Minuten gewissermaßen – lizensiert und frei teilbar via Creative Commons CC-BY-SA.

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(Den Originalbeitrag habe ich im Purer Luxus-Blog gepostet.)

Walter Benjamin: Komplettes Interview und Links (Stadtrevue Netzmusik #06)

Mit dem portugiesischen Singer-Songwriter Walter Benjamin habe ich für die aktuelle Ausgabe der monatlichen Kolumne ‘Netzmusik‘ der Stadtrevue ein längeres Interview geführt. Wie üblich poste ich hier das komplette Interview (dieses Mal in englischer Sprache), dazu die Downloadlinks seiner frei erhältlichen Releases.

Downloads

Walter Benjamin: The National Crisis (LP. Merzbau/merzcd0005 – CC-BY-NC-ND, 2008)

Walter Benjamin & Baga: Ice Cream And Swinging Lettuce (EP, Bandcamp, CC-BY-NC, 2009)

Walter Benjamin & João Correia: The Last Summer Before Our Youth (EP, Bandcamp, CC-BY-NC 2010)

Walter Benjamin: Paper Boats (Single, Bandcamp, 2011, CC-BY-NC)

Walter Benjamin, Jakob Bazora, Zachary Woolfson: Johnny & Lucy (Single, Bandcamp 2012, CC-BY-NC)

Walter Benjamin: The Dog Follows The Bull (EP, Merzbau, 2007, CC-BY-NC-ND)

Walter Benjamins aktuelles Album ‘The Imaginary Life of Rosemary and Me’ kann auf Bandcamp zwar gehört, aber nicht heruntergeladen werden, das geht nur via Amazon oder iTunes (für jeweils 7,92 Euro). Die CD kann direkt beim Label Pataca Discos bestellt werden – für faire 11 Euro. Das Album läuft unter einer CC-BY-NC-Lizenz, die die private, nicht-kommerzielle Weitergabe erlaubt.

Bevor es nun mit dem vollständigen Interview losgeht, hier noch einer der veritablen Hits, von denen ich im Artikel schreibe: ‘Airports and Broken Hearts’, einmal in der Studioversion …

… , einmal in einer Akustik-Solo-Version …

… und noch ‘High Speed Love’, beide vom Album ‘The Imaginary Life of Rosemary and Me’.

Das komplette Interview (in englischer Sprache)

I realise you license most of your albums under Creative Commons. What does legal sharing of your music mean to you? Is CC just an easy way of licensing and promoting your music or does it mean more to you?

It is a bit of both. I used to be part of a netlabel called Merzbau and we distributed music for free under CC because we were dreamers and wanted to intoxicate Lisbon’s music scene with different stuff. I personally think people should be able to sample my music and do interesting stuff with it, creation leads to more creation. CC is great because it makes distribution easier, it is what actually allowed netlabels to start releasing stuff legally.

I now started a digital label with some friends in London (www.romanroadrecords.com) and we are selling our records online, which is a different philosophy. We’re struggling to get our music out there while we have to pay a rent, food and our studio. Fun times.

The musician, not the philosopher: Walter Benjamin (Credit: Pataca Discos)

The musician, not the philosopher: Walter Benjamin (Credit: Pataca Discos)

My new album was released by an independent portuguese label, though. It’s called Pataca and they have been releasing awesome stuff, one of the bands (You Can’t Win Charlie Brown) even played SXSW recently and I use members of Julie & the Carjackers as the core of my band. Check them out!

Tell me a bit about the production of your album … to what extent has life between the diverse cities of Lisbon and London influenced you?

It has influenced me a lot, a big part of the record is about that distance. The basic tracks of the album were recorded in a beautiful analog studio in Lisbon with my drummer (João Correia), bass player (Nuno Lucas) and some other friends. We did the basic tracks there and then I brought the sessions to London where I finished overdubbing and mixing in my own small studio. It was a funny process because in Lisbon I had access to all these amazing instruments, a grand piano, a Hammond Organ, amazing guitar amplifiers, vintage drum kits, etc. and London forced me into a lot of restrictions, which is also great.

Tell me about the role your friends played with regard to the production your album and how they affected the music and arrangements.

I am very lucky and have very talented friends. My drummer and bass player are amazing musicians and the three of us laid the foundations to the songs together. They are so tight and they make it very easy to record with them. I played most of the guitars and keyboards and then invited some friends to do other stuff. I love having people around and get their creative input. Singer-songwriters Márcia and Francisca Cortesão (Minta & The Brook Trout) did some amazing vocals, Duncan Brown (Basement Jaxx’s sound engineer) and Nick Mills played horns here in London. My beautiful friend Jakob Bazora helped me a lot at the final stages of this album, we’re both trained sound engineers and I borrowed his ears countless times. I thought I was going crazy.

Besides (indie)pop references mentioned in the press release, which traditional musical influences would you name?

I am influenced by all the music, from The Beatles to The Beach Boys, from Bach to Serge Gainsbourg, The Doors, Bob Dylan, Leonard Cohen to LCD Soundsystem, Animal Collective, David Bowie and many others. And a lot of new portuguese music.

Will you continue to release music under Creative Commons with Roman Road Records – or do you, as with the Gelfin Brothers EP, return to traditional ‘(C) all rights reserved?’

That’s a good question but we’re not sure yet. I suppose it will make sense for some releases in the future and it is something we have to decide depending on every single project we release.

What do you think about the new kind of hybrid labels such as Error Broadcast (featured in an earlier episode of Stadtrevue Netzmusik) – they offer both free or so-called ‘redux’ digital downloads, but also sell physical releases on Vinyl and digipak-CD’s … something you could image with Roman Road Records as well?

Yes, for sure. I have to say that I am very interested in vinyl and do value the physical releases a lot. The problem is that we’re still operating on a very small scale and digital releases is our only viable option for now. It will also be interesting to explore the way we do our digital releases a bit more with the inclusion of videos and other extras with the download. Why not? Digital packaging could also be turned into something interesting and exciting. iTunes is quite dull on things like that. We’re operating using Bandcamp to distribute our music and it is quite cool because you can download high quality mp3 or even lossless files. It is important for us that the records sound good, we want to be a label that really cares about the sonics of our records. It doesn’t mean we don’t like lo-fi stuff though, we do.

Your professional background is sound engineer? Is this job to be understood as a ‘day job’ helping you to earn money?

I moved to London in 2008 to study sound engineering. I still do some production work in Lisbon and play there regularly but my main job is, indeed, as a sound man in London. My label friend, Jakob Bazora, is also a sound engineer and that background really helps us with the production of our records and the way we work with other artists. I also studied music so both worlds really complement each other very well.

Is ‘Walter Benjamin’ is your real name? Or am I right your moniker has something to do with the german philosopher …

I did steal the name from the german philosopher. My first gig in Lisbon was in a book shop and many people thought they were going to see this talk about the great (and real) Walter Benjamin and not just some guy with a guitar. There was me sitting with my yellow hat and singing some songs. Most people don’t seem to mind, I chose the name while I was studying anthropology in Lisbon and his story really captured me. He tried to escape from nazi prosecution. Lisbon was his destiny and from there he would be able to flee to America. He committed suicide because he wasn’t able to complete his journey. The day I chose the name I stumbled upon a book called Passenger Walter Benjamin and thought it was faith. I bought the book and here I am.

But anyway, I have to say that I used the name but not anything else. I just build a completely different character with the same name and changed the german prononciation into english. Don’t mean to explore philosophy in my songs or anything like that. I think of the name as a quote as if it was a band’s name.

Many thanks for the detailed interview, Walter!